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Die Geburt der Venus

Die „Geburt der Venus“ gehört zu den bekanntesten Gemälden des italienischen Renaissancekünstlers Sandro Botticelli (1446–1510). Sein eigentlicher Name lautete Alessandro di Mariano di Vanni Filipepi.

Das berühmte Werk greift ein Thema aus der klassischen Mythologie auf: Es zeigt Venus, die römische Göttin der Liebe und Schönheit, bei ihrer Ankunft auf der Erde.

Ein Auftrag aus dem Hause Medici

Das großformatige Gemälde (172 × 278 cm, Tempera auf Leinwand) entstand vermutlich im Auftrag des einflussreichen Mäzens Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medici. Er ließ das Bild für seine Villa auf dem Land anfertigen. Wahrscheinlich erzählte entweder Lorenzo selbst oder einer seiner gebildeten Freunde Botticelli die antike Geschichte von der Entstehung der Venus aus dem Meeresschaum.

In der damaligen Zeit wurde diese Erzählung nicht nur als mythologische Geschichte verstanden, sondern auch als Sinnbild für die Entstehung und das Wirken göttlicher Schönheit in der Welt.

Das Schönheitsideal der Venus

Im Mittelpunkt des Gemäldes steht Venus (griechisch Aphrodite), die „aus dem Meeresschaum Geborene“. Sie steht auf einer Muschel, die von den Windgöttern Zephyr und der Nymphe Chloris an das Ufer getragen wird. Ein Regen aus Rosen begleitet ihre Ankunft. Am Strand erwartet sie eine der Horen, den griechischen Göttinnen der Jahreszeiten, und reicht ihr einen kostbaren Umhang.

Botticelli schuf mit diesem Werk ein Bild von außergewöhnlicher Harmonie. Die dargestellten Figuren wirken jedoch nicht wie naturgetreue Abbilder, sondern folgen einem idealisierten Schönheitsverständnis. Die Venus besitzt beispielsweise einen ungewöhnlich langen Hals, schmale Schultern und eine unnatürliche Körperhaltung. Diese bewussten Abweichungen von der Realität verstärken jedoch ihre elegante und überirdische Ausstrahlung.

Obwohl Venus nackt dargestellt ist, steht sie nicht für reine körperliche Schönheit. Vielmehr verkörpert sie die geistige und vollkommene Liebe.
Auf der linken Seite des Bildes sind Zephyr, der griechische Gott des Westwindes, und die Nymphe Chloris zu sehen. Die vom Himmel fallenden Rosen erinnern an die mythologische Entstehung der Göttin und besitzen goldene Blütenmitten.

Die Horen, die in der griechischen Mythologie für die Jahreszeiten stehen, begleiten Venus bei ihrer Ankunft.

Nach der Überlieferung des griechischen Dichters Hesiod entstand Venus, nachdem Kronos
seinen Vater Uranos entmannt hatte. Die ins Meer gefallenen Körperteile des Gottes verbanden sich mit dem Wasser, woraufhin Venus aus dem Schaum der Wellen hervorging.

Botticelli zeigt jedoch nicht den eigentlichen Moment ihrer Geburt, sondern den Augenblick danach: Venus erreicht auf einer großen Muschel die Küste von Paphos auf Zypern und steht kurz davor, den Strand zu betreten.

Heute befindet sich Botticellis Meisterwerk in den Uffizien in Florenz.