Eine Führung im Tempelbezirk

Führung im Tempelbezirk auf dem Metzenberg in Tawern


Übersichtstafel mit Grundriss:
 Abb : Römischer Reisewagen (Relief in Maria Saal Kärnten)

Abb : Römischer Reisewagen
(Relief in Maria Saal Kärnten)

Wir befinden uns hier im römischen Tempelbezirk auf dem Metzenberg in Tawern.

Damals musste man die meisten Wege zu Fuss zurücklegen. Nur die wohlhabenden Leute, Händler und Beamte konnten sich fahren lassen. Alle anderen mussten wohl oder übel laufen.

So dauerte eine Reise von Trier nach Rom etwa 20 Tage, ein Nachrichtenbote hatte für die 1800 Kilometer nur etwa eine Woche Zeit.

Reisende in römischer Zeit waren daher sehr erleichtert, wenn sie nach tagelangen Strapazen diese Stelle erreicht hatten und ihr Reiseziel vor Ihren Augen lag.

Etwa 200 m von hier entfernt führte nämlich eine wichtige römische

Abb : Der Grundriss der Tempelanlage

Abb : Der Grundriss der Tempelanlage

Straße vorbei, eine Verbindung von Trier über Metz, Lyon nach Marseille und von dort nach Rom.

Von hier aus konnten die Reisenden auf ihrem Weg vom Süden nach Trier zum ersten Mal einen Blick auf ihr Ziel werfen. Sie dankten Merkur für eine gute Reise, wechselten die Reisekleidung und begaben sich anschliessend auf den restlichen, kurzen Weg nach Trier um ihren Geschäften nachzugehen.

Bei klarem Wetter hat man auch heute, durch eine freigehauene Schneise, diesen weiten Blick ins Moseltal bis zur Stadt Trier.

Aus der Stadt ragt die Basilika heraus – die römische Palastaula, in der der römische Kaiser damals seine Gäste empfing. Vor 2000 Jahren versperrte kein Baum die Sicht. Der Metzenberg war damals, zur Zeit des Tempels, nicht bewaldet.
Vor mehr als 2000 Jahren wurde Trier gegründet und spielte im Lauf seiner Geschichte eine bedeutende Rolle im römischen Reich. Die genannte Straße verband Trier mit dem Zentrum des Römerreichs. Bei Konz überquerte sie die Saar, nicht weit vom Tempelbezirk erreichte sie die Höhe des Metzenberges. Dann führte sie über den Höhenrücken – den Saargau – weiter über Metz und Lyon zum Mittelmeer. Nach der Stadt Metz erhielt wohl auch dieser Berg seinen Namen -> Metzenberg. Die Straße wurde während des ganzen Mittelalters genutzt und ist noch auf einem Stich von 1675 zu erkennen.

 


Fundsachen von der Tempelanlage :

Hinter Tempel IV liegt ein mehr als 15m tiefer Brunnen, 1,05 x 1,05m breit. In seinem Schacht werden bei der Aufgabe des Tempels zum Ende des 4. Jahrhunderts von Gegnern des römischen Götterkults wichtige Teile hineingeworfen und zugeschüttet – und bleiben so für uns erhalten.

In mühevoller Arbeit kann der Schacht freigelegt werden. Neben mehr als 25 Münzen, einigen Tongefäßen und zahlreichen Keramikscherben kommen zum Vorschein:

Der leicht überlebensgroße Kopf einer Merkurstatue.
Zahlreiche Bruchstücke einer großen Weiheinschrift an Merkur, die auch den Brunnen nennt.
Ein Altar mit einer ungewöhnlichen Weihung zugleich an Apollo und Merkur.
Eine Reliefdarstellung der bei den Treverern verehrten Epona.
Ein für unsere Gegend ungewöhnliches Relief mit der Darstellung, des Serapis und seiner Gefährtin Isis, die vor allem im östlichen Mittelmeerraum verehrt werden.

Terrakotte vom Typ der Artemis von Ephesos

Terrakotte vom Typ
der Artemis von
Ephesos

Ungewöhnlicher Fund für unsere Gegend ist eine kleine Statue der Artemis Ephesia, die in zwei Teilen an verschiedenen Stellen des Tempelbezirks gefunden wird. Sie besteht aus rotbraunem Ton und ist 15,5 Zentimeter hoch. Reste weißer Bemalung sind erhalten. Ihr Gesicht und der obere Teil des Kopfes sind wie bei Merkur abgeschlagen.

Ihr verdanken der Tempelbezirk und unser Ort Tawern ihre Entstehung. Am Fuß des Metzenbergs erstand an der Straße in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine Straßensiedlung namens ,Taberna“ oder ,,Tabernae‘.
Aus dem lateinischen Wort ,,Tabernae“ bildete sich im Laufe der Zeit der Ortsname Tawern, wobei – entgegen der sonst üblichen Aussprache ähnlicher Ortsnamen im Deutschen – die Betonung auf der zweiten Silbe des Namens liegt und so auch heute noch auf den römischen Ursprung unseres Ortes hinweist. Im April 1986 begann man im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungs~Maßnahme mit der Untersuchung dieses Bezirks, der damals noch mit 15 Jahre alten Fichten bewachsen war. Die Fundstelle war bereits seit den 30er Jahren bekannt, doch wusste man nicht genau, was sich tatsächlich hier unter der Erde verbarg. Nach zweijähriger Grabungszeit konnten dieser Tempelbezirk und ein größeres Profangebäude freigelegt werden. Ziel der anschließenden Arbeiten war zunächst die Konservierung der verschiedenen Grundmauern, doch entschloss man sich bald zur teilweisen Rekonstruktion des römischen Tempelbezirks, zum ersten Mal in der weiteren Umgebung von Trier.

 

Brust und Leib der Göttin weisen reichen Schmuck auf. Um ihren Nacken liegt ein Blütenkranz. Darüber stehen sich vier Menschliche Gestalten gengenüber, zwei scheinen sich die Hände zu reichen. Unterhalb des Kranzes sind sechs Figuren des Tierkreises dargestellt: ganz links die Waage, neben ihr der Skorpion, in der Mitte der Schütze – als Mensch mit Pferdeleib – und der Steinbock mit einem Fischschwanz, rechts der Wassermann und – fast unkenntlich – die Fische. Bis zur Taille reicht ein Schmuck aus drei Reihen eiförmiger Gebilde. Hüften und Beine umschließt ein enganliegendes Gewandstück mit Reliefschmuck. Einen senkrechten Streifen in der Mitte schmücken sechs Reihen mit je drei Tieren (oben Löwen, dann zwei Reihen von Flügeltieren mit spitzen Ohren, darunter wieder Löwen und vielleicht Stiere). Zwei Blütenrosetten schließen die Reliefbänder unten ab. Unter dem bis zu den Knöcheln reichenden Schurz tritt das Gewand mit reichen Falten hervor. Nur die Zehen bleiben frei.

(Nach einer Beschreibung der Statue von Dr. Sabine Faust.)

Ungewöhnlich ist dieser Fund vorallem, weil die Statue in der Türkei hergestellt und von einem Händler als Weihegabe in unserem Tempel gebracht worden ist.

1800 Münzen aus dem Tempelbereich – zahlreiche aus auswärtigen Prägestätten – geben wertvolle Hinweise auf die Zeit seiner Nutzung. Im Vergleich zu anderen Kultstätten des Trierer Landes wird so ein stärkerer und früher einsetzender Kult in Tawern nachgewiesen. Der Prozentsatz einheimischer Münzen liegt in Tawern nur zwischen 30 % und 40 %, während er bei sonstigen Fundstellen des Trierer Landes um 70 % liegt.

Drei keltische Münzen sind die ältesten. Mehrere Münzmeisterasse stammen aus der Zeit vor Christi Geburt, zahlreiche Münzen aus der Zeit des Kaisers Augustus, der 14 n. Chr. stirbt.

Im 1. und 2. Jahrhundert zeigt sich ein erster Höhepunkt der Nutzung, ein zweiter in den Jahren vor 275. Um 340 gibt es eine kurze Steigerung, ehe 341 die Opfer im Tempel verboten werden, die bis dahin Mittelpunkt zahlreicher Feierlichkeiten sind. Nach 350 kann wegen des Verbots kaum jemand noch öffentlich seine Opfer darbringen.

Einen letzten kleinen Höhepunkt gibt es nach dem Jahr 364. Die jüngste im Tempel gefundene Münze wird zwischen 388 und 392 geschlagen.

muenzen

 

Der durch Mauern umgrenzte heilige Bezirk hatte einen trapezförmigen Grundriss. Man betrat ihn durch den Haupteingang auf der Talseite oder durch die bergseitige kleine Pforte. Auf dem Übersichtsplan erkennt man mehrere Bauphasen. In der ersten Phase gab es hier fünf nebeneinander aufgereihte Tempel (Tempel A, C, B, II und III); in ihnen wurden verschiedene Gottheiten verehrt, unter ihnen der Gott Merkur und die Göttin Epona. Zweimal wurde der Tempelbezirk erweitert. Die erste Erweiterung schaffte bedeutend mehr Raum; für die zweite Erweiterung ist kein eindeutiger Grund erkennbar.

Nach der Erweiterung war der heilige Bezirk maximal 48 m breit und 36 m tief. Vier der fünf frühen Tempel wurden abgerissen, wobei einige Mauern zur Terrassierung des lnnenbereichs erhalten blieben. Tempel II blieb als einziger stehen; an Stelle der Tempel A, C und B wurde der große Haupttempel 1 errichtet, Da zwei Tempel dicht hintereinander nicht möglich sind, wurde Tempel III nach der Fertigstellung von Tempel IV niedergelegt. Auf dem jetzt freien Platz konnten die Gläubigen den Kulthandlungen des Priesters beiwohnen.

In den Ecken der Umfassungsmauer waren kleine Bauten angelegt. Hier wurden vermutlich – ähnlich wie in einer Sakristei Geräte für die Kulthandlungen aufbewahrt. Der Eckbau der ersten Bauphase in der Nord-Ost-Ecke hatte zwei Räume mit unterschiedlichem Niveau.

Hinter Tempel IV wurde ein Brunnen angelegt, dem wir wertvolle Funde verdanken, unter anderem alles, was auf den Abbildungen dieser Tafel zu sehen ist (ausgenommen das Bild mit einem Blick auf die Grabungsarbeiten).

 


Tempel II
Abb: Relief der Epona

Abb: Relief der Epona

Tempel II ist der einzige, der während aller Bauphasen des Tempelbezirks erhalten blieb. Er wurde inzwischen rekonstruiert.

Im Tempel stand eine Statue der Gottheit, die hier verehrt wurde, wahrscheinlich war es die keltische Pferdegöttin Epona. Sie war die Göttin der Fuhrleute, der Pferde und Maultiere. Einen Hinweis darauf gibt das hier aufgestellte Relief, das im Brunnen gefunden wurde. Es zeigt die Göttin auf einem Pferd.

Die römischen Tempel waren außen und innen verputzt. Statt des Sandsteinmauerwerks muss man sich ein weißes Gebäude mit rotem Sockel vorstellen; das Rot war kräftiger als das Rot, das man im Innern des Tempels sieht.

Nach Funden von Putzresten im Haupttempel wurde Tempel II innen schwarz, rot und weiß ausgemalt.

 


Haupttempel (Tempel I):

Die römische Religion war überzeugt von Naturmächten und Naturkräften, die segenspendend oder auch Unheil bringend auf das Leben der Menschen einwirken.

Tempel

Abb : Tempel I

Der Römer sah Kontakte mit der Gottheit als unumgänglich an; er musste Hilfe und Schutz für sich erreichen und Schaden abwenden.

Um sich nicht falsch zu verhalten, musste man sich im Umgang mit den Göttern an festgelegte Regeln halten, die peinlich genau beachtet wurden. So verlangte eine Hilfe der Götter eine Gegenleistung der Menschen, die Nutzen daraus gezogen hatten. Bei einer Bitte wurde z. B. ein Gelübde abgelegt, der Gottheit etwas versprochen.

Nach Erfüllung der Bitte musste das Versprechen eingelöst werden. Es wurde z. B. ein Opfer dargebracht, ein Altar, ein Götterbild, sogar ein ganzer Tempel gestiftet oder eine Münze gespendet.

Der Römer erkannte in den Göttern der anderen Völker Wesensmerkmale seiner eigenen – nur unter anderem Namen. Er setzte sie mit den eigenen Göttern gleich und behandelte sie entsprechend. Deshalb gab es keine Missionierung anderer Völker. Umgekehrt erkannten die Kelten ihre eigenen Gottheiten in den Göttern der Römer wieder.
Der größte Tempel (Tempel 1) wurde inzwischen rekonstruiert. Er war wohl dem Gott Merkur geweiht, dem Hauptgott des Tempelbezirks. Man muss sich den Innenraum in den Farben des Tempels II vorstellen!

Abb: Kopf des Merkur

Abb: Kopf des Merkur

Der Kopf des Kultbildes Merkurs wurde im Brunnen in etwa 5 Metern Tiefe gefunden.

Merkur galt als Führer auf Wegen und Straßen; er war der Schutzgott des Handels, des Gewerbes, des Reichtums und der Diebe.

Ausserdem war er noch der Gott des Friedens und für das Wetter zuständig.

Tacitus beschreibt ihn in seinen Werk Germania als mit Wotan, dem Gott der Germanen, ebenbürtig.

Viele der gefundenen Münzen und Weihegaben verdanken wir den Gelübbden von Händlern und Reisenden. Sie dankten für eine gut verlaufene Reise, für gute Geschäfte in Trier oder für die glückliche Rückkehr aus einer gefährlichen Situation.

 

temple_main_02Der Tempel I hat an drei Seiten einen offenen Umgang. Es handelt sich um eine Variante der in ganz Gallien und Britannien weit verbreiteten gallo-römischen Umgangstempel.
Seine Maße: 10,80 m in der Länge und 9,80 m in der Breite. Der Raum mit dem aufgestellten Kultbild, die so genannte Cella, ist 7,50 m lang und 5,70 m breit. Das Dach des Umgangs, über das die Cella deutlich hinausragt, ruht auf toskanischen Säulen, die ihrerseits auf großen, in die Umgangsmauer eingelassenen Sandsteinquadern stehen.

Unmittelbar vor dem Umgang sind Sandsteinrinnen verlegt, die das vom Dach fließende Regenwasser auffangen und ableiten. Teile sind noch im Original und am ursprünglichen Platz erhalten.

Auf dem Boden und im Umgang des Tempels 1 sind die Grundrisse der zwei kleinen Tempel A und C zu erkennen.

Moderne Tempelinschrift:

DEO MERCVRIO
TEMPLVM SABINA EFOSSVM ET
C AEGIDIO REAEDIFICATVM
HENDRICE ET TEXTORE
PRAEFECTIS KAL AVG MCMLXXXIX

zu deutsch:

Dem Gott Merkur (geweiht)
Der Tempel wurde von Sabina (= Dr. Sabine Faust) ausgegraben und
von Carolus Aegidius (= Dr. Karl-Josef Gilles) wieder aufgebaut,
als Hendricks und Weber (Textore) Bürgermeister waren, 1. August 1989.

 


Tempel IV:
Abb: Weihealtar des Apollo/Merkur gestiftet von Flavius Hiemalis

Abb: Weihealtar des Apollo/Merkur gestiftet von Flavius Hiemalis

Tempel IV ist ein weiterer großer Umgangstempel, der später als der Tempel III entstand. Vor dem Tempel erkennt man den Grundriss des zu dieser Zeit abgerissenen Tempels III.

Auf dem freien Platz konnten die GIäubigen am Opfer teilnehmen, das der Priester an einem Altar darbrachte.

Es gab in römischen Heiligtümern unblutige Opfer (Spenden von Wein, Weihrauch, Feldfrüchten) und blutige (Tötung von Lebewesen). Durch Verbrennen oder Ausschütten der Gaben auf dem Altar wurden diese dem menschlichen Gebrauch entzogen. Bei Tieropfern wurden nur bestimmte Teile verbrannt, der Rest verteilt.

Der Opferaltar stand stets außerhalb des Tempelgebäudes.

In Tempel IV wurde das Kapitell einer korinthischen Säule mit Ansatz einer Schuppensäule gefunden, das hier zum zweiten Mal verwendet worden ist – diesmal als Sockel für die Statue einer Gottheit.

Es könnte sich hier um einen Tempel des in einer Inschrift erwähnten Gottes Apollo handeln. Apollo war der Sohn des Jupiter und Merkurs Bruder. Es wurde auch ein Altar gefunden der dem Gott Apollo und auch gleichzeitig dem Gott Merkur geweiht ist. Stifter des Altars ist ein Römer mit Namen Flavius Hiemalis.

Mit einer Kopie des gleichen Säulenteils wurde im unteren Tempelbereich eine Jupitersäule errichtet, auf der man sich ein Abbild des römischen Hauptgottes vorstellen muss. Das Vorbild für den reliefverzierten Sockel stammt nicht aus Tawern.

 


Brunnen:

Südwestlich des großen Tempels an der Nordwest-Ecke von Tempel IV stieß man auf einen quadratischen Brunnen, der bei der Zerstörung des Tempelbezirks nach und nach zugeschüttet worden ist. Sein Wasser wurde unter anderem wohl bei Reinigungen nach Opfern verwendet. Die Freilegung des 15 m tiefen Brunnens mit einer lichten Weite von 1,05 m wurde durch eine Tawerner Baufirma vorgenommen und bereitete erhebliche Schwierigkeiten. Es zeigte sich jedoch, dass sich diese Arbeit lohnte: Neben zahlreichen Keramikscherben konnten aus dem Schacht bedeutende Funde geborgen werden: der Kopf des Merkurkultbildes, zahlreiche Bruchstücke einer großen Weiheinschrift an Merkur, die auch Bezug auf den Brunnen nimmt – sie wurde kopiert und ergänzt und hier am Brunnen angebracht.

Relief der Isis und des Serapis

Relief der Isis
und des Serapis

Weitere wichtige Funde: ein Altar mit einer ungewöhnlichen Weihung zugleich an Apollo und Merkur, das Relief der Pferdegöttin Epona und ein weiteres, für unsere Region ungewöhnliches Relief, das Serapis und seine Gefährtin Isis zeigt – ein ägyptisches Götterpaar. Auch 29 Münzen wurden im Schacht gefunden. Sie beweisen, dass der Brunnen erst nach dem Jahr 392 n. Chr. allmählich verfüllt worden ist.

775 Münzen im Tempelbezirk und ~ 75 Münzen im Profangebäude – darunter drei keltische – belegen neben anderen Funden, dass der Tempelbezirk bereits in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet worden ist und bis ins späte 4. Jahrhundert genutzt wurde. Dann wurde er – wie viele andere ähnliche Anlagen – ein Opfer christlicher Fanatiker.

 

 

 

Ursprüngliche Inschrift (übertragen vom abgerissenen Merkurtempel der ersten Bauphase):

MER[CVRIO AEDICVLA]M
GRATVS [ . . F . V.S.L]M. (votum solvit libens merito)

deutsch:

Dem Gott Merkur (weiht) diesen Tempel
Gratus [Sohn des . . .], er hat sein Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst.
(Gratus hat den Merkurtempel der ersten Bauphase zum Dank für einen erfüllten Wunsch gestiftet, um ein Gelübde zu erfüllen.)

Später hinzugefügte Inschrift in der linken oberen Ecke, die Bezug auf den Brunnen nimmt:

ACERATIVS PRIMVS
GRATI LIB. (Libertus)
CATENARIA CUM ULlA LIB[ERTAE] II

V.S.L.M. (votum solverunt libens merito)

Teil der ursprünglichen Inschrift, die im ersten Teil später abgeändert wurde:

PVTEVM CVM SVIS O[RNAMENTIS]

zu deutsch:

Aceratius Primus,
Freigelassener (Sklave) des Gratus (siehe ursprüngliche Inschrift!),
Catenaria mit Julia, zwei Freigelassene (Sklavinnen),
haben ihr Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst (und)
diesen Brunnen mit seinen Ausrüstungsgegenständen (Ornamenten)… (gestiftet/repariert).

(Drei freigelassene Sklaven des Gratus haben den Brunnen gestiftet oder repariert, um ein Gelübde zu erfüllen.)

 


Profangebäude:

Die Funktion des Profangebäudes ist bisher nicht ganz klar geworden. Es handelt sich wohl kaum um ein Wohnhaus eines oder mehrerer Priester.

Der große Raum zur Bergseite hin war wohl durch eine Wand geschlossen – anders als in der jetzigen Rekonstruktion.

Er könnte als Stall gedient haben. Vielleicht konnten die Reisenden sich im Profangebäude stärken und Andenken, Opfergaben oder Weihegaben kaufen.

Zum Schluss noch ein kurzer Hinweis auf den römischen Ort am Fuß des Metzenbergs: Durch eine weitere Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme werden zur Zeit Teile des Ortes ,,Tabernae“ freigelegt. Es konnten bisher Grundrisse von 9 Gebäuden gefunden werden. In einem solchen gaIlo-römischen Vicus lebten zu beiden Seiten der Straße Händler und Handwerker. Es gab eine Herberge mit Bewirtung, vielleicht auch mit der Möglichkeit zum Vorspannen von Tieren für die Bergfahrt. Hier fanden Märkte statt. Der Ort war ein Mittelzentrum für das Umland mit seinen Gutshöfen. Handwerker führten notwendige Arbeiten durch. Eisen- und Glasverarbeitung konnten nachgewiesen werden.

Wenn man vom Tempel kommend am Fuß des Metzenbergs an der ersten Kreuzung geradeaus fährt, kann man im Tal gleich rechts neben der Straße einen Blick auf die Stelle dieser Ausgrabungen werfen.