Die Geschichte Tawerns

 


– 450

Zu Beginn der Jüngeren Hunsrück-Eifel-Kultur zeigt sich ein stärkerer Unterschied zwischen den Gräbern der einfachen Bevölkerung und der Oberschicht. Man findet häufiger „Adelsgräber“:
Die keltische Oberschicht hat das Bedürfnis, ihre herausragende Stellung zu Lebzeiten auch über den Tod hinaus darzustellen. Es entstehen prunkvolle Grabhügel mit Bronzegeschirr und Edelmetallen.Sie zeigen einen rasch ansteigenden Wohlstand.

 


– 350

Um 350 v. Chr. tritt die Brandbestattung wieder an die Stelle der Körperbestattung. Die Toten werden mit ihren Beigaben auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Das größte Tongefäß im Grab enthält die Asche des Toten. Reiche Gräber sind nur noch vereinzelt anzutreffen Die Gräberanzahl verringert sich , auch die meisten Befestigungsanlagen werden aufgegeben. Der Wandel könnte mit den keltischen Wanderungen zusammenhängen: KeltischeStämme dringen von Westen nach Deutschland, nach Italien, in den Balkan und bis in die Türkei vor. Die Kelten sind vor den Römern das größte Volk Europas. Sie wohnen in Spanien, ganz Frankreich, Großbritannien, in Deutschland bis zu den Sudeten, in den Alpenländern, der Tschechoslowakei und im nördlichen Italien. Ihre Sprache steht dem Germanischen und Italischen nahe.

 


– 300

In Rom wird Kupfergeld und Barrengeld als Zahlungsmittel in der Witschaft eingeführt.

 


– 250

Ohne nachweisbare Probleme erwächst aus der Bevölkerung der Hunsrück-Eifel-Kultur und den zugewanderten Kelten der Stamm der Treverer, den Caeser später beiderseits der Mosel zwischen Maas und Mittelrhein kennenlernt.
Nach seinem Urteil sind sie den Kelten zuzurechnen und siedeln im 1. Jahrhundert v. Chr. zwischen den Belgen und den Germanen in Südostbelgien (Provinz Luxemburg), in Luxemburg, in den Regierungsbezirken Trier und Koblenz, im Restkreis des Fürstentums Birkenfeld und den westlichen Teilen des Saarlands.
Über 200 Höhenbefestigung (castellae) werden von Adelsfamilien (nobiles oder principes) mit ihren Hintersassen bewohnt und beherrscht. Der reiche Adel bezahlt die Ritterschaft aus eigener Tasche. Zur Oberschicht gehören außerdem die Priester (Druiden). Sie vollziehen die öffentlichen und privaten Opfer, haben weitergehend Kompetenzen in der Rechtsprechung und einen mächtigen Einfluß auf die Erziehung der adligen Jugend. In der Unterschicht gibt es die freien Mitglieder des Trevererstammes und die von Caesar erwähnten Sklaven. Die Freien leben überwiegend in Einzelgehöften oder kleinen Hofgruppen in Häusern aus Fachwerk. Sie sind aus Holz und Lehm erbaut und mit Stroh oder Eichenschindeln gedeckt.

 


– 250

Es bestehen auch dorfähnliche Siedlungen mit langrechteckigen Wohnhäusern und kleineren Speicherbauten auf Ständern. Die Besitzer sind dem Herren einer Höhenburg als Krieger zugeordnet und finden dort in Kriegszeiten für ihre Familie Unterkunft und Schutz. Auf dem Titelberg (La Madelaine in Südluxemburg) liegt eine dauernd besiedelte, mit einem 2800 Meter langen Ringwall befestigte Stadt (oppidum): ein politisches, militärisches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum für unsern Gau mit zahlreichen Handwerken – auch für die Eisenherstellung und -verarbeitung -, mit Märkten und dem Recht zur Prägung von Münzen. Wahrscheinlich hat die Höhenbefestigung in Kastel eine ähnliche, etwa geringe Bedeutung. An drei Seiten ist dort das Plateau von Natur her durch steile Felsen gesichert, an der vierten wird es durch einen 250 Meter langen, 8 Meter hohen Wall befestigt. Die Wallenlagen von Otzenhausen und ähnliche Fliehburgen (auf dem Ferschweiler Plateau, bei Ehrang und bei Kordel) werden nur bei Gefahr aufgesucht und dann für längere Zeit bewohnt. Die wichtigsten Erwerbszweige sind Ackerbau, Viezucht, Fischfang, Jagd, Eisen- und Bronzeverarbeitung und der Handel (unter anderem mit Salz und mit Mahlsteinen aus Lava- und Basaltbrüchen der Eifel). Der Tauschhandel wird mehr und mehr abgelöst durch die Bezahlung mit Geld.
Angebaut werden Roggen, Gerste, Weizen, Hafer, Erbsen, Dicke Bohnen, Möhren, Lauch, Apfelbäume. Die Verstorbenen werden weiterhin verbrannt und die Urnen beigestzt,-meist in kleineren Flachbrandgräberfeldern. Beigaben sind Tongefäße, teils handgeformt, teils schon auf der Drehscheibe hergestellt. Je nach sozialen Stand wird wenigstens ein Satz Gefäse mit Speisen in die Grabgrube gestellt: Ein Topf für die Speise, ein Henkelkrug oder eine Flasche für Getränke, ein Becher und ein Teller, bei Frauen zusätzlich Schmuk: Perlen Fiebeln (Gewandnadeln), Arm- und Fingerringe aus Bronze, bei Männer Waffen: Langschwerter, Stoßlanzen und bandförmige oder runde Schildbuckel.

 


– 140*

Eins der ersten genau bekannten Daten in unserem Raum hat für Tawern eine wichtige Bedeutung.

Eichen wachsen wie alle anderen Bäume in Jahresringen. Die dicke dieser Ringe ist unterschiedlich: in warmen und feuchten Jahren größer als in trockenen und kalten. So entsteht ein Muster aus dickeren und dünneren Schichten, das die Witterung der Jahre wiederspiegelt. 1975 gelingt es, den Zyklus dieser Jahresringe für die Eichen im Trierer Raum bis weit in die Jahre vor Christi Geburt geschlossen zurückverfogen. Mit einer solchen Übersicht kann man alte Eichenholzteile auf das Jahr genau datieren, wenn man genug Jahresringe in ihrer Dicke feststellen kann . Diese Möglichkeit zur Datierung alter Bauwerke heißt „Dendrochronologie“. Bei den Arbeiten zur Kanalisierung der Mosel wird bei der Untersuchung von Holzresten festgestellt, daß140 Jahre vor Christi Geburt – lange ehe die Römer in unser Gebiet vordringen – zwischen Palzem und Stadtbredimus eine hölzerne Pfahljochbrücke über die Mosel errichtet wird. Teile der Brücke werden im Jahr 122 v. Chr. repariert. In diesem Jahr wird auch in Trier nahe bei der heutigen Römerbrücke bei einer seit frühester Zeit begangenen Moselfurt ein erster Moselübergang aus Holz errichtet. Die Brücke in Palzem beweist, daß eine der „Bernsteinstraßen“über Tawern führt: der Weg von Marseille entlang der Rhône über Lyon, Chalon, Langers , Metz , Trier, Koblenz, Köln in Richtung Elbe. Die Handelswege führen nach Möglichkeit über die Hochflächen entlang der Flußläufe, weil hier die wenigsten Wasserläufe überquert werden müssen. Viele Strecken sind nicht genau festgelegt. Man benutzt zu Pferd oder zu Fuß von der Natur vorgegebene, gangbare Strecken und steuert zielbewußt auf Stellen zu, an denen sich größere Flüsse problemlos überwinden lassen. Das geschah früher in Furten, jetzt erleichtert – wahrscheinlich erstmals für unsere Gegend – eine Brücke den Übergang. Der Hauptweg der „Bernsteinstraße“ führte von Metz aus zunächst auf dem linken Ufer der Mosel bis Stadtbredimus, überquerte bei Palzem die Mosel und erreicht über das Helenenkreuz bei Bilzingen und über Tawern – der Ort besteht noch nicht – die Saarmündung bei Konz. die Saar muß durch eine Furt überquert werden.

 


– 59*

In Rom wird Gaius Julius Caesar für fünf Jahre Prokonsul. Unter anderem ist er für die Provinzen Gallia cisalpina (Norditalien) und Gallia Narbonensis (Südfrankreich) zuständig. Um die südfranzösiche Provinz zu sichern , beginnt er mit der Eroberung Galliens, zunächst mit drei, dann mit zehn Legionen, verstärkt durch Hilfstruppen der verbündeten Völker. (Eine Legion umfaßt 6000 Mann.)

 


 

Unter der Herrschaft der Römer (-58 bis 400)

 


– 58*

Im Lauf der letzten 200 Jahre haben die Römer ihr Reich stetig vergrößert. Es umfaßt Italien, die Südfranzösiche Küste , Korsika, Sardinien und Sizilien, fast ganz Spanien , Portugal, große Teile der nordafrikanischen Küste, Syrien, den größten Teil der Türkei, Griechenland und die jugoslawische Küste. Die römische Verfassung ist darauf angelegt, eine Alleinherrschaft zu verhindern. Das Reich wird immer von mindestenes zwei Konsuln gemeinsam regiert, deren Amtszeit kurz bemessen ist. Jetzt schickt sich der erfolgreiche Heerführer Gaius Julius Caesar an, Gallien zu erobern. Es ist das Land der Kelten und umfaßt ganz Frankreich und das Gebiet bis zu Rhein.

Caesar erringt die Alleinherrschaft im Römischen Reich und markiert so den Beginn der Kaiserzeit. Aus seinem Namen entsteht die Bezeichnung „Kaiser“. Statthalter des Kaisers verwalten die einzelnen Provinzen – unsere Provinz heißt „Belgica Pima“ mit der Hauptstadt Trier – kaiserliche Beamte ziehen Zölle und Steuern ein. Im wesentlichen dürfen die großen Orte sich selbst verwalten, bei den kleineren ist diese Selbstverwaltung stark eingeschränkt. Nach der Eroberung durch die Römer leben die Menschen bei uns etwa 300 Jahre lang in Frieden, abgesehen von kleineren Grenzstreitigkeiten . Ab dem 3. Jahundert n. Chr. stoßen Franken und Alemannen immer wieder auf das römische Territorium vor und zwingen schließlich nach 450 die Römer zum vollständigen Rückzug. Im 2. und 3. Jahrhundert breitet sich das Christentum im Römerreich aus, wird dann verfolgt, schließlich aber von Kaiser Theodosius zur Staatsreligion erhoben.
Das Wichtigste für uns: Die Römer gründen unseren Ort Tawern.
Im Jahr 58 v. Chr. beginnt der Gallische Krieg. Ceasar rückt mit seinen Soldaten über die alten Bernsteinstraßen vor. Die Soldaten sind bekleidet mit einer kurzärmeligen Tunika, einem T- förmigen geschnittenen Hemd aus Leinenstoff. Unterwäsche gibt es nicht; für kältere Jahreszeiten wird eine wollene Tunika darüber gezogen. Sie reicht bis zu den Waden; wenn der Gürtel angelegt ist, bis zu den Oberschenkeln. An den Füßen tragen die Soldaten offene Sandalen mit genagelten Sohlen. Der Fußsoldat muß gut 45 Kilogramm Last mitschleppen. Bei Kämpfen wird der Körper durch Muskelpanzer und Kettenpanzer geschützt, Schulter und Nacken zusätzlich durch mit Leder unterfütterte Kettenpanzerstreifen, der Kopf durch einen Metallhelm. Ein Schild aus Holz mit Lederüberzug bietet zusätzlich Schutz. Als Waffe trägt der Fußsoldat einen Wurfspeer, ein Kurzschwert und einen Dolch, der Reiter ein Langschwert; außerdem gibt es Schlaufenschleudern. Die Verpflegung der Soldaten besteht aus Getreide , Bohnen, Linsen, Fleisch, Käse, Olivenöl, Salz und saurem Wein. In den Schriften Ceasars erfahren wir erstmals etwas über die Treverer. Sie genießen in Gallien wegen ihrer Tapferkeit und ihrer starken Reiterei einen einzigartigen Ruf.
Zwei rivalisierende Adelsparteien regiern den Stamm.

Im Jahr 58 v. Chr. kämpft eine Kavellerie-Abteilung der Treverer auf Seiten der Römer und trägt mit zu einem wichtigen Sieg über die Sueben bei Mühlhausen bei. Später probt eine der beiden Gruppen den Aufstand, wird aber nach dem Eingreifen Caesars zur Aufgabe des Widerstands gezwungen und flüchtet zu den rechtsrheinischen Germanen.
Bis zum Jahr 50 v. Chr. ist Gallien von den Römern erobert. Den Soldaten folgen bald die Händler. Nur Fleisch und Getreide für die Bedürfnisse der römischen Armee und ihres Gefolges sind in ausreichender Menge vorhanden. Alles andere muß importiert werden , z.B. Olivenöl „garum“ (eine pikannte Fischsauce), Wein und Dlikatessen. Nach einigen Jahrzehnten arbeiten Treverer und Römer so vorbildlich zusammen, daß Ausonius später die Harmonie von ausländischen Einwirkungen und bodenständigen Traditionen in seiner „Mosella“ als weltweit vorbilblich darstellen kann.

 


– 30*

Auf dem Petrisberg bei Trier errichten die Römer ein Millitärlager, das den Moselübergang sichern und den Treverern im Tal ihre Macht demonstrieren soll. (Die Datierung gelingt durch die Untersuchung von verkohlten Bauhölzern.) Nach der Niederschlagung eines Aufstands im Jahr 30/29 v. Chr. wird das Lager bereits überflüssig. Das Land gehört jetzt fest zum Römischen Reich; Grenze des Reiches wird der Rhein.

 


– 22* bis – 19*

Als erste Maßnahme zur Sicherung und Erschließung des obersten Landes werden große Fernstraßen für das Militär, die Verwaltung und den Handel angelegt. Eine der wichtigsten Routen führt von der Rhônemündung über Lyon, die Saône und die Mosel zum Rhein; es ist auf weiten Strecken die alte Bernsteinstraße. Gebaut wird sie in mehrjähriger Arbeit in verschiedenen Streckenabschnitten. In regelmäßigem Abstand werden Raststationen eingeplant; einer solchen Station verdanken wir den Ursprung unseres Ortes.
Die Millitärstraßen der Römer sind Staatsstraßen, sie werden auf kaiserlichen Befehl durch angestellte Beamte erbaut und enthalten.Verbindungswege zwischen den Haupstraßen legen die Landesbewohner selbst an. Ingenieure bestimmen die Richtung, Architekten leiten den Bau, Steinmetzen, Maurer und Zimmerleute bauen die erforderlichen Brücken. Die Landesbewohner leisten Hand-und Gespanndienst. Alle Arbeiten wreden von den Legionssoldaten unterstützt. (Die Soldaten müssen auch in Friedenszeiten hart zupacken: Sie legen Straßen, Festungen und Kanäle an, bauen Wasserleitungen , legen Sümpfe trocken ,pflanzen Wein an und brennen Ziegel.)
Die Römer wählen für ihre Straßen die kürzeste Strecke, führen sie über die Höhen und benutzen solange wie möglich die Wasserscheide. Die wichtigsten Vorteile dieser Bauweise: es entstehen kurze Wege , zahlreiche Brückenbauten werden eingespart, es gibt bedeutend weniger Beschädigungen durch Regenwasser, schließlich können Höhen und Wasserscheiden leichter verteidigt werden.

Die Karte zeigt das spätere Straßennetz der Römer in unserer Heimat: Die römische Straße verläßt Trier im Süden an der Porta Media (ähnlich der Porta Nigra, in der Saarstraße), führt auf der heutigen Straße nach Konz und dort über die „Alte Römerstraße “ zur Saarmündung. Sie überquert die Saar mittels einer Brücke und führt entlang des französischen Militärlagers durch den „Sand“ auf die Höhe bei der Tawerner Magaretenkapelle.
Sie überquert geradlinig die Gärten zwischen Kapellenstraße und Trierer Straße, erreicht die Mannebacher Straße am Beginn der Römerstraße, führt über die Mannebacher Straße bis zum heutigen Ortsende, überquert dort den Mannebach und erreicht am Fuß des Metzenberges die Raststation. (Hinter dem Bach ist sie heute noch deutliche als Erhöhung im Tal zu sehen, zwischen Mannebacher Straße und Bach wurde sie bei Überschwemmungen abgegraben.) ein Teil ihrer Kalkstickung ist an der Böschung unmittelbar am Fuß des Metzenbergs zu erkennen. Jetzt steigt die Straße – in einem leichten Bogen – auf der Westseite des Metzenberges (Metz!) zur Höhe. Dort ist sie heute in weiten Teilen noch deutlich als dammartiger, über dem Gelände liegender Weg in Richtung Onsdorf zu erkennen. Zwischen Onsdorf und Kümmern hindurch führt sie nach Bilzingen, biegt beim Helenenkreuz zur Mosel ab und überquert den Fluß auf der Brücke zwischen Palzem und Stadtbrediums. Auf der Luxemburger Seite liegt beim heutigen Dalheim eine zweite Raststation: Ricciacum. Von dort aus geht es über Garche (Caranusca) nach Metz (Divodurum).

Tawern ist eine einfache Raststation nach Art der „mutationes“.der Name „Tawern“ ist aus dem lateinischen „tabernae“ enstanden .
Der römische Name läßt vermuten , das vor der Gründung durch die Römer keine Siedlung der Treverer bestand.
„Taberna“ bedeutet im lateinischen vielerlei: Bretterbude , Hütten, Laden, Werkstätte, Wirtshaus, Bierwirtschaft. Die Mehrzahl „tabernae“ bedeutet einen Stationsort an der römischen Heerstraße: ein Straßendorf beiderseits der Straße, das alle oben angegebenen Bedeutungen in sich vereinigt. Ein solcher „vicus“(Dorf) mit Markt besteht aus einfachen , schmalen, langgestreckten Gebäuden, mit oder ohne Inneneinstellung, bestenfalls mit einem kleinen Nebengebäude dahinter. Die Häuser stehen fast immer mit der schmalseite zur Straßschmalen Umgang voneinander getrennt.
Die ersten Häuser Tawerns werden wahrscheinlich auf einem Steinfundament aus Fachwerk errichtet, später, werden sie durch Bauten aus massivem Mauerwerk ersetzt.
Zur Straße hin sind sie meist in voller Bereite geöffnet. In der offenen „Diele“ mit dem Herd spielt sich das Geschäftsleben ab; im hinteren Teil liegen kleine Wohn- und Schlafstätten. Einige Räume sind vielleicht unterkellert, andere werden in späterer Zeit mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Eine Quelle oder ein Brunnen mit Handpumpe liefern das notwendige Wasser. Vor den Häusern ziehen sich in der Regel überdachte Bürgersteige hin, dahinter liegen Gärten und Höfe. Völlig ungeeignet sind diese Gebäude für Landwirtschaftliche Betriebe. Ihre Bewohner leben vor allem vom Handel und vom Verkehr auf der Straße. Nebenher betreiben sie Kleintierhandlung (Hüner, Enten, Gänse) und Gartenbau. Neben der Herberge bieten Handwerker gewandt, eng nebeneinander, entweder Wand an Wand oder verbunden vielfältige Dieste an: Reparaturen aller Art an Wagen, Sandalen oder Kleidern. Gleichzeitig verkaufen sie selbst hergestellte Produkte aus Metall, Holz, Leder oder Seil. Händler bieten Waren aus Trier (Tongeschirr, Stoffe, Kleidung) und aus fernen Ländern (Öl, Fischsauce, Delikatessen, Gewürze – besonderes Salz -, Geschirr aus Metall, Glas oder Keramik, Schmuck, Kunstwerke zum Kauf an. Transport- und Barbedienste ergänzen das Angebot.
Waren werden meist gegen Münzen verkauft. Unter Kaiser Augustus gilt folgende Währung:

 

1 Aureus (Gold) = 25 Denare (Silber)
1 Denar (Silber)  = 4 Sesterzen (Messing)
1 Sesterz (Messing)  = 4 Asse (Kupfer)

 

Eine gut erhaltene Silbermünze wird von Willi Dostert unweit der römischen Rast- und Pferdewechelstation in unmittelbarer Nähe des Baches gefunden. Sie zeigt auf der einen Vordereseite den Kopf des römischen Kaisers Tiberius (14 bis 37 n. Chr.) mit Lorbeerkranz. Die gegen den Urzeigersinn laufende Umschrift lautet: T I(berius) CAEAR DIVI AVG(usti) F(ilius) AVGVSTVS (Kaiser Tiberius, Sohn des göttlichen Augustus). Die Rückseitendarstellung zeigt den siegreichen Kaiser. Mit erhobenem Zepter reitet er in einem Viergespann nach rechts. Die Umschrift lautet: T R(ibunicia) P(otestate) XVII (zum 17. Mal Inhaber der tribunizischen Gewalt). Die Münze wird im Jahr15 oder16 n.Chr. in Lyon geprägt und ist eine der ältesten in Tawern gefundenen Silbermünzen.

Die Bibel berichtet, daß Judas für den Verrat Jesus von Hohenpriestern 30 Silberlinge erhält. Dabei handelt es sich um ähnliche Denare wie den in Tawern gefundenen.

 


Einzelheiten über die Funde am Fuß des Metzenberges:

Nach Notizen im Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen für 1855 und einer Ausgabe der Tierischen Landeszeitung aus dem Jahr 1887 werden am Fuß des Metzenberges Fundamente römischer Bauwerke und in der Nähe ein Begräbnisplatz entdeckt. (Dieser Begräbnisplatz ist seitdem nicht mehr gefunden worden, seine Untersuchung könnte wichtige Hinweise zu Tage fördern.) Die gleiche Stelle zwischen der heutigen Straße zum Metzenberg und dem Mannebach wird in einem Grabungsbericht des Landesmuseums Trier aus dem Jahr 1932 erwähnt: In dem Grundstück des Ackers Nikolaus Hoffmann-Gitzinger, in dem die Römerstraße mit anschließendem Mauerwerk besonders hoch liegt, beginnt Hoffmann, die Straße und das Mauerwerk gänzlich herauszureißen. Mit diesen Arbeiten beginnt Hoffmann Anfang Februar. Er legt die Römerstaße auf eine Länge von 50 Metern frei.
Am ersten Tage findet er unmittelbar auf der Packung der Straße einige kleine Münzen und Scherben. Diese Funde übergibt er dem Gemeindevorsteher Weinandi mit der Bitte um Weitermeldung an das Bürgermeisteramt ( Amt Tawern ). Das Bürgermeisteramt Tawern unterläßt zunächt die Weitermeldung an das Provinzialmuseum Trier. Unterdessen werden die Abbrucharbeiten im Grundstück Hoffmann weitergeführt. Da bringen die trierischen Tageszeitungen am 19. März die Fundnotiz. Am gleichen Tag noch wird vom Museum eine Besichtigung der Fundstelle vorgenommen. Das ganze Grundstück in einer Länge von 50 Metern ist schon wieder eingeebnet. Die festgestellten Mauern sind abgerissen , die Steine liegen noch in der Nähe, die Fundamente der Mauern sind im Boden geblieben.